Eine Tradition lebt auf

Großfeldhandball-Turnier beim TuS Nettelstedt mit ehemaligen Bundesligaspielern
Nettelstedt(WB). Zurück zu den Wurzeln: Der Feldhandball wird beim TuS Nettelstedt in regelmäßigen Abständen wiederbelebt. Der Verein hatte in seine Sportwerbewoche den Drake-Media-Cup eingebaut – und durfte sich über einen Heimsieg freuen.
Die ursprüngliche Variante des Handballs ist bei vielen in Vergessenheit geraten. Die jüngeren Sportler haben vor allem altersbedingt keinen Bezug mehr dazu. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, gibt der TuS Nettelstedt dem Feldhandball eine Bühne. Was vor einigen Jahren mit einem Freundschaftsspiel gegen den Kooperationspartner LiT NSM begann, wird mittlerweile in Turnierform ausgetragen. Bei der diesjährigen Auflage des Drake-Media-Cups durften die Nettelstedter mit LiT und dem TuS Hartum zwei andere Mannschaften zum sportlichen Wettstreit begrüßen. »Die Rückmeldungen sind positiv, auch die Spieler aus dem Herrenbereich zeigen Interesse«, erklärt Thorsten Möller aus dem Organisationsteam.
Der Feldhandball hat eine lange Tradition – auch in Nettelstedt. Nach der Einführung eines verbindlichen Regelwerks im Jahr 1917 nahm die Sportart eine rasante Entwicklung. Bis zu 40 000 Zuschauer pilgerten zu den Länderspielen. Bis zum Jahr 1975 wurde eine Deutsche Meisterschaft auf dem Feld ausgespielt. Zu den Finalisten der letzten Auflage zählte auch der TuS Nettelstedt um Größen wie Herbert Lübking und erlebte eine böse Überraschung. Als klarer Favorit verlor der TuS gegen die TSG Haßloch vor rund 10 000 Zuschauern im Stadion an der Obernfelder Allee in Lübbecke mit 14:15.
Genau diese Erinnerungen wollen die Nettelstedter mit ihrem Feld-Turnier am Leben erhalten. Vor dem sportlichen steht beim diesem Wettbewerb allerdings der soziale Aspekt. Die Teilnehmer sollen Spaß haben und können sich zu der einen oder anderen alten Geschichte austauschen. Denn der Sportplatz in Nettelstedt wurde am Wochenende auch zu einem Ort des Wiedersehens. Einige ehemalige Nettelstedter Bundesligaspieler wie Michael Thierauf, Karsten Neppert oder Stefan Windhagen mischten munter mit. Auch Boris Komuczki ließ es sich erneut nicht nehmen, die Reise aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis anzutreten. Viel zu erzählen hatte sich der 60-Jährige unter anderem mit TuS-Torhüter Nikola Blazicko, der das Turnier zusammen mit seiner Frau als Zuschauer verfolgte. Sowohl Komuczki als auch Blazicko wurden im kroatischen Rijeka geboren.
Zusammen mit der jüngeren Generation bildeten die Altstars gemischte Mannschaften. Mit Technik und Taktik taten sich einige Akteure zunächst allerdings noch schwer. »Das ist auf jeden Fall Übungssache – vor allem die Spielzüge und das mehrfache Balltippen. Man sieht jedenfalls, wer das früher häufiger mal gespielt hat«, sagt Stefan Windhagen und lobt den Ansatz des Turniers: »Es ist ein schönes Wiedersehen mit ehemaligen Kollegen.«
Abgerundet wurde dieses Treffen aus Nettelstedter Sicht mit dem Turniersieg. Im Dreiervergleich mit jeweils zwei Halbzeiten pro Partie setzten sich die Gastgeber um Trainer »Jerry« Meyer durch. Gegen den TuS Hartum gelang ein 18:14 (8:7)-Erfolg, gegen LiT kam es zu einem 15:15 (8:7)-Unentschieden. Die drei gesammelten Punkte reichten dem TuS, da sich auch Hartum und LiT beim 15:15 (8:9) die Zähler teilten.
Schwierigkeiten hatten die Organisatoren nur bei der Suche nach Schiedsrichtern. »Es gibt nur noch wenige, die die Regeln auf dem Feld beherrschen«, erklärt Thorsten Möller. Es werde darüber nachgedacht, Schulungen über den Handballkreis anzuregen. Auf diese Weise könnte die Zukunft des Feldhandballs sichergestellt werden. Und schon bald könnte es dann wieder heißen: Zurück zu den Wurzeln.
Von Marc Schmedtlevin
Quelle: Westfalen-Blatt Lübbecke vom 29. Juni 2017
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Die Mischung macht’s: Die Mannschaft des TuS Nettelstedt mit jungen und erfahrenen Spielern hat das Feldhandball-Turnier gewonnen. Foto: Pollex
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Auch aktuelle Spieler – wie Thorsten Waldmann (links) oder Sebastian Winkler (Mitte) im Trikot des TuS Nettelstedt – haben Gefallen am Handball auf dem Großfeld gefunden. Foto: Schmedtlevin
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Unterhaltung auf Kroatisch: Nikola Blazicko mit Boris Komuczki. Foto: Pollex

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