Spielberichte

Frauen-Bezirksliga: TuS Nettelstedt II - HSG Espelkamp-Fabbenstedt 18:22 (12:9) - Grimm statt Disney

Geschrieben von Julia Grotefeld

Es gab da mal eine Duschidee: Einen Spielbericht schreiben so wie ein Disney-Märchen. Zum Beispiel mit Achim als staubwedelndem Schneewittchen, so wie er es vor einiger Zeit im Training demonstriert hat. Oder Achim im Wunderland, mit vielen wundersamen Spielerinnen und Weggefährten, aus denen der Trainer erst einmal schlau zu werden hat. Unser derzeitiges Märchen hat aber leider nichts mit den glitzernden, bunten und Happy-End-geschwängerten Disney-Filmen zu tun, die wir alle auch heute noch heimlich, aber gern und immer wieder mit glänzenden Augen genießen. Nein, momentan scheint uns unsere Omi eher aus einem original Grimms-Märchen-Buch vorzulesen, in dessen Geschichten es deutlich düsterer, gruseliger und brutaler zugeht und an dessen Ende auch immer eine anstrengend tiefschürfende Moral lauert.

Wie also sieht unsere Geschichte aus? 16 Spielerinnen, ein Trainer und ein Schappi verloren irgendwo auf dem Weg zwischen Holzhausen und Porta Westfalica das kleine Quäntchen Glück, den unbedingten Willen, den Biss, den Kopf und vor allem das spielerische Selbstbewusstsein. Es war ein großes Rätsel, wo all diese doch sonst in bisherigen Spielen so allgegenwärtigen Attribute abhanden gekommen waren. Aber statt sich zu verstecken, wurde fleißig trainiert, mit dem Ziel, das, was uns spielerisch ausmacht, wieder herauszukitzeln und an die Oberfläche zu locken. Das gelang im ersten Spiel nach der Osterpause zunächst auch ganz gut. Die Partie gegen Espelkamp war, wie die Erfahrungen des Hinspiels bereits erahnen ließen, zunächst abwehrdominiert und torarm. Nach knapp 14 Minuten stand es 5:2 für den Gegner (unsere Antastphase zu Spielbeginn ist leider nicht verloren gegangen). Danach holten wir Tor um Tor auf, erzielten beim 6:6 in der 18. Minute erstmalig den Ausgleich und setzten uns zur Halbzeit mit 12:9 ab.

Soweit so gut. Der Beginn der zweiten Halbzeit ließ auch noch nichts Böses vermuten, bis zur 7. Minute (15:11) verteidigten wir einen 4-Tore-Vorsprung. Dann aber verließen uns die guten Geister und es folgte eine Phase, in der Espelkamp zwar ein um's andere Mal durch unsere Abwehrreihen marschierte, wir aber im Gegenzug keine Treffer im gegnerische Kasten platzieren konnten. In der 45. Minute hieß es Ausgleich, dieser wiederholte sich bis zur 51. Minute noch zwei Mal (17:17). Danach zog Espelkamp vollends davon und beendete die Partie zum 18:22.

Die zwangsläufige Moral ist letztendlich das, was als grausamstes aller Märchenmonster betitelt werden kann: Die Realität. Der Prinz wurde quasi vom Drachen gefressen und die Prinzessin kann in Ihrem Turm noch eine ganze Weile darauf warten, gerettet zu werden. Der Grund dafür? Ja, es wurden einige Chancen vergeben und Fehler gemacht. Ja, Wurfpech kam auch dazu. Sicher, 6 Tore in der zweiten Halbzeit reichen bei Weitem nicht aus. Und auf jeden Fall sind 13 Gegentore in eben dieser Halbzeit deutlich zu viel. Aber am Ende waren es doch wieder unser aller Köpfe, die uns einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Warum wir mitten im Spiel einfach aufhören, das zu spielen, was wir können? Wer das weiß, soll sich bitte schnellstmöglich bei mir melden. Bis dahin heißt es für uns, vor allem an unseren Hirngespinsten zu arbeiten, den Kopf vielleicht auch mal so hoch zu halten, dass die kleinen Selbstbewusstseinsfresser gar nicht mehr drankommen und uns an den eigenen Flechtzöpfen wieder aus de Pampe ziehen. Wir geben unser Bestes.

Corinna Vallo/ Michele Berning/ Jacky Meier (1), Jacky Kremser (3/1)/ Jaqui Burmester (1), Julz Schilling (2)/ Nadine Schilling, Henne Maschmann (5/1)/ Marie Schilling, Inka Otto/ Julia Grotefeld (5)/ Janine Dauks, Tina Kottkamp (1)